Kakteenerde

Kakteen sind ganz besondere Pflanzen in unserem riesigen Florenreich. Sie sind angepasste Spezialisten in Lebensräumen, die lernen mussten, zeitweise ohne externes Wasser auszukommen. Kakteen reagieren sehr sensibel auf das Substrat bzw. die Erde in der sie wachsen. Eine hochwertige und gute Kakteenerde ist daher unabdingbar, wenn man lange Freude an den stacheligen Gewächsen haben möchte.

Gute Erde für Ihren Kaktus

Botaniker schätzen, dass es weltweit etwa 1800 Kakteenarten gibt, die sich in bis zu 140 Gattungen aufteilen. Sie bilden eine eigene Pflanzenfamilie, die wissenschaftlich als Cactaceae bezeichnet wird. Um zu verstehen, welche Erde bzw. welches Substrat benötigt wird, muss der natürliche Lebensraum der jeweiligen Kakteenart berücksichtigt werden. Dies wird umso deutlicher, wenn man bedenkt, dass es Kakteen gibt, die tropische Regenwälder, Hochgebirgslagen oder lebensfeindliche Wüsten besiedeln können.

Bestandteile und Zuschlagstoffe für Kakteenerden

Für die Zusammenstellung einer Kakteenerde stehen unterschiedliche Ausgangsstoffe bzw. Zuschlagsstoffe zur Auswahl. Sie unterschieden sich hinsichtlich in folgenden Punkten:

  • Mineralstoffgehalt
  • pH-Wert
  • Korngröße
  • Wasserspeichervermögen
  • Nährstoffspeichervermögen

Wie die meisten Pflanzenerden bestehen viele Kakteenerden aus organischen und mineralischen Komponenten. Als organische Bestandteile bezeichnet man solche Stoffe, die durch den Abbau oder durch Ausscheidungsprodukte von pflanzlichen, tierischen und mikrobiologischen Organismen entstanden sind. Häufig werden diese schlicht als Humus bezeichnet. Durch Materialien wie Kompost, Tiermist oder Pflanzenreste lässt sich der Humusanteil im Boden oder in einer Erde erhöhen.

mineralische Kakteenerde
viele Kakteen benötigen eher mineralische Substrate mit nur sehr geringem Humusanteil (Foto: thongsee / fotoalia.com)

Demgegenüber stehen mineralische Zuschlagstoffe, die einen direkten Einfluss auf die Struktur, Textur und physikalischen Eigenschaften eines Bodens bzw. eines Substrats haben können. Einige dieser Zuschlagstoffe können beispielsweise das Wasserspeichervermögen oder den pH-Wert des gesamten Substrats positiv beeinflussen, andere wiederum können eine wertvolle Quelle für wichtige Spurenmineralien darstellen. Die gebräuchlichsten Zuschlagstoffe bei der Herstellung von Kakteenerden sind:

Gelegentlich werden weitere Zuschlagstoffe wie Ziegelsplitt oder Pflanzenkohle bzw. Holzkohle verwendet.

Die richtige Kakteenerde für den Kaktus

Um nun herauszufinden, welche Erde für Ihren Kaktus am besten geeignet ist, lohnt sich immer ein Blick auf den natürlichen Lebensraum der jeweiligen Kakteenart. Beispielsweise wachsen Kakteen der Art Aztekium an trockenen und vollsonnigen Standorten in den Gebirgsregionen Nordostmexikos. Die Gebirge bestehen dort zum großen Teil aus Kalksteinen. Es liegt daher nahe, dass die Kakteenerde für diese Art vorrangig aus mineralischen Bestandteilen mit höheren Kalkanteilen zusammengesetzt werden sollte.

Demgegenüber stehen beispielsweise viele Kakteen der Gattung Selenicereus, die in den tropischen bis subtropischen Gebieten Mittelamerikas zu Hause sind und sonnige bis halbschattige Standorte mit höherer Feuchtigkeit benötigen. Folglich sollte eine gute Erde aus vorzugsweise organischen Bestandteilen (Universalblumenerde, Mutterboden mit Kompost) und nur wenigen mineralischen Zuschlagstoffen bestehen. Durch den erhöhten Nährstoffbedarf des Kaktus machen auch mineralische Zuschlagstoffe wie Zeolith oder Blähton Sinn, die Nährstoffe gut speichern und bei Bedarf abgeben können.

In der folgenden Tabelle haben wir die wichtigsten Kakteengattungen kurz dargestellt und unterschieden, wie hoch der Anteil organischer und mineralischer Bestandteile sein sollte.

KakteenartNährstoffbedarfmineralischer Anteilorganischer Anteil
Ariocarpuswenigsehr hochsehr gering
Astrophytummäßighochmäßig
Aztekiummäßigsehr hochsehr wenig bis wenig
Chamaecereusmäßigwenig bis mäßighoch
Echinopsismäßigmäßighoch
Lophophorawenighoch bis sehr hochsehr wenig bis wenig
Obregoniawenighoch bis sehr hochsehr wenig bis wenig
Pilosocereusmäßigmäßig (erhöhter Lehmanteil von Vorteil)hoch
Rebutiamäßighochmäßig (leicht erhöhter Humusanteil nötig)
Selenicereuseher hochwenighoch
Trichocereus geringsehr hoch bis hochwenig bis mäßig
Turbinicarpus geringsehr hochsehr wenig

Kakteensubstrate austauschen und erneuern

Das Substrat bzw. die Erde in der die Kakteen stehen, sollte etwa alle zwei bis drei Jahre ausgetauscht werden. Hintergrund ist, dass die mineralischen Zuschlagstoffe nach und nach und nach Salz an ansammeln, die durch das Gießwasser sowie durch Düngemittel verursacht werden. Außerdem empfiehlt es sich, frisch gekaufte Kakteenpflanzen in ein größeres Gefäß mit frischer und optimaler Erde zu versorgen. Viele Kakteen aus Pflanzencentern und Baumärkten werden leider nur mit normaler Blumenerde versorgt, die auf Dauer jedoch das empfindliche Wurzelsystem der stacheligen Pflanzen schädigen kann.

Rezepte für selbstgemachte Kakteenerden

Eingefleischte Kakteenliebhaber haben über die Jahre häufig eigene Substratrezepturen gefunden, mit dem die stacheligen Pflanzen versorgt werden. Neben zahlreichen im Handel bereits erhältlichen Erden und Substrate, kann eine Kakteenerde natürlich auch selbst hergestellt werden. Je nach Vorliebe der jeweiligen Kakteenart werden mineralische Zuschlagstoffe sowie organische Bestandteile wie Mutterboden oder Kompost benötigt.

Rezept für mineralische Kakteenerde

Einige Kakteenerden können hervorragend in rein mineralischen Substraten überleben. Hierzu zählen vor allem Kakteen, die vor allem in Wüstenregionen zu Hause sind und an äußerst karge Lebenbedingungen angepasst sind. Hierzu zählen u.a. bekannte Kakteenarten wie Ariocarpus, Aztekium, Astrophytum, Lophophora oder Turbinicarpus.

Eine rein mineralische Kakteenerde enthält zunächst keine Nährstoffe, die in organischer Erde meist jedoch vorhanden ist. Um eine qualitativ hochwertige mineralische Erde herzustellen, benötigt man Einzelsubtrate oder Zuschlagstoffe, die Wasser und Nährstoffe begrenzt speichern können, die gut durchlässig ist und die genug Porenraum bietet, so dass sich die Wurzeln frei entwickeln können. Einige Arten benötigen zudem einen erhöhten pH-Wert (über 7). Dies muss bei der Mischung der Kakteenerde zwingend berücksichtigt werden, da nicht alle Zuschlagstoffe ausreichend basische Ausgangsmineralien enthalten. Zu diesen gehören neben dem bekannten Gartenkalk, Zeolith und Bims.

Um eine eigene mineralische Kakteenerde zu mischen, können folgenden Zuschlagstoffe verwendet werden:

  • 20 % Perlite (klein- bis mittelkörnig)
  • 10 % Vermiculit
  • 30 % Lehm (leicht zermahlen)
  • 25 % Blähton (kleinkörnig und gebrochen) oder Blähschiefer
  • 15 % Lavakies (kleinkörnig) oder Bims (kleinkörnig)

Unter klein- bis mittelkörnig werden Korngrößen im Bereich 2 - 4 mm sowie 4 - 8 mm verstanden. Alle Zuschlagstoffe werden in einen Behälter gegeben und gut miteinander vermischt. Es ist vollkommen normal und auch gewünscht, dass die kleineren Bestandteile sich eher im unteren Drittel des Pflanzgefäßes befinden.

Zu beachten ist, dass mineralische Kakteenerde zunächst vollkommen frei von Makronährstoffen wie Stickstoff, Kalium und Phosphor ist. Die Nährstoffansprüche der Kakteen müssen dann durch Zugeben von Depotdünger oder handelsüblichem Kakteendünger genügt werden. Einige Zuschlagstoffe wie Zeolith oder Pflanzenkohle können darüber hinaus Nährstoffe auch längerfristig speichern und bei Bedarf über das Wurzelsystem der Kaktee wieder abgeben.

organomineralische Kakteenerde

Neben den trockenheitsliebenden Kakteen, die vor allem Extremstandorte besiedeln, gibt es auch Arten, die verhältnismäßig gemäßigte Lagen bevorzugen. Hierzu gehören u.a. Pflanzen wie Pilosocereus, Echinopsis (Bauernkaktus) oder Chamaecereus. Diese Exemplare benötigen neben mineralischen Bestandteilen auch organische, da sie einerseits einen erhöhten Nährstoffumsatz haben und andererseits mehr Wasser für den Pflanzenstoffwechsel benötigen, als ihre Vertreter aus der Wüste.

Substrate die sowohl aus mineralischen als auch organischen Bestandteilen bestehen, werden gemeinhin als organomineralisch bezeichnet. Mit den typischen Blumenerden oder Universalerden haben sie jedoch nicht viel gemein. Eine Kakteenerde, die beide Bestandteile enthält muss in der Lage sein, gut Wasser und Nährstoffe zu speichern. Sie muss außerdem durchlässig sein, so dass sich keine Staunässe entwickeln kann.

Eine gute Kakteenerde, die sowohl organische als auch mineralische Bestandteile enthält, kann aus folgenden Zutaten bestehen:

  • 50 % Universalblumenerde
  • 25 % Quarzsand
  • 15 % Bims
  • 10 % Perlite

Bitte fügen Sie dieser Erde zunächst keinen weiteren Dünger zu, da Universalblumenerden in den meisten Fällen mit Nährstoffen angereichert sind. Nach etwa sechs bis acht Wochen können Sie dann bei Bedarf wieder ihren gewohnten Kakteendünger hinzufügen.