Anzuchterde

Bei der Aussaat von Pflanzensamen gelten andere Bedingungen als bei ausgewachsenen Pflanzen. Eine gute Aussaaterde bzw. Anzuchterde hilft dabei, den Erfolg bei der Keimung zu verbessern und die jungen Triebe besser vor unwidrigen Bedingungen zu schützen. Solche Erden werden meist zur separaten Vorkultur verwendet, wenn man Jungpflanzen später in größere Töpfe oder in den Gartenboden umpikieren möchte. Wir geben Ihnen einige Hinweise mit auf dem Weg, was Sie bei der Auswahl von Aussaaterden beachten müssen, wie Sie sie richtig verwenden und wie Sie Ihre eigene Erde herstellen können.

Auswahl und Verwendung von Anzuchterde

Hintergrund: Keimung von Samen

Um zu verstehen, welchen Sinn und Zweck eine Aussaaterde hat, hilft es zunächst wissen, wie der Keimungsprozess abläuft.


Ein Keimling entwickelt sich in einer Aussaaterde

Jeder Samen enthält zunächst einen gewissen Vorrat an Nährstoffen, von denen sich die jungen Keimlinge zu Beginn ernähren. Bevor die Samen überhaupt zu keimen beginnen, müssen bestimmte Hormone und Enzyme zunächst grünes Licht geben, bevor sich aus dem Pflanzenembryo letztendlich eine junge Pflanze entwickelt.

Wenn alle äußeren Umweltbedingungen (z.B. Licht oder Dunkelheit, Feuchtigkeit oder Trockenheit) erfüllt sind, platzt die Samenhülle auf und der Embryo entwickelt alle benötigten Pflanzenorgane. Die kleinen Wurzeln beginnen sich zu entwickeln, verankern sich allmählich im Substrat und versorgen die Pflanze nach und nach mit Nährstoffen.

Einige Gartenböden und viele Blumenerden enthalten häufig zu viele mineralische Nährstoffe, allem voran Stickstoff und bestimmte Salze. Für viele Pflanzen ist dieses Nährstoffangebot zu üppig. Die feinen Wurzeln vieler junger Pflanzen können mit diesen Überangebot an Nährsalzen nicht umgehen. Die Folge ist, dass die jungen Pflanzen verbrennen und folglich eingehen. Genau hier setzen Aussaat- oder Anzuchterden an.

Eigenschaften einer Aussaaterde

Aussaaterden sollen es Samen und Keimlingen ermöglichen, sich in den ersten Tagen ihres jungen Pflanzenlebens gesund zu entwickeln. Wichtig ist dabei, dass die Erde locker und durchlässig ist, damit sich die jungen Pflanzen später leicht pikieren und an in den Gartenboden oder einer Blumenerde umtopfen lassen. Eine gute Durchlässigkeit sorgt außerdem für den optimalen Abfluss von Wasser.

Der große Unterschied von Anzuchterden gegenüber Blumenerden ist, dass diese meist salzfrei oder sehr salzarm sind und keine krankheitserregenden Keimlinge wie Rostsporen enthalten. Da einige Samen in kleinen Zimmergewächshäusern mit nur geringer Windzirkulation aufgezogen werden, würden sich Sporen und Pflanzenviren schnell verbreiten und die Pflanze schon in ihren ersten Tagen infizieren.

Geeignete Erden für die Anzucht

Die Palette an möglichen Substraten bzw. Erden für die Aussaat von Pflanzen ist verhältnismäß groß. Neben vielen organischen Erden gibt es auch spezialisierte mineralische Anzuchtsubstrate, die auf Zuschlagstoffen wie Perliten oder Vermiculit basieren. Für die meisten Kräuter, Blumen oder Gemüsepflanzen genügen handelsübliche Anzuchterden oder ein nährstoffarmer Mutterboden in den meisten Fällen aus. Die meisten dieser Pflanzen können auch in einer normalen Gartenerde kultiviert werden. Häufig wird die Anzuchterde dann benötigt, wenn man Nutzpflanzen wie Tomaten oder Paprika in einem Zimmergewächshaus vorziehen möchte, um sie dann im späten Frühjahr ins Gartenbeet umzupikieren.

Samen einiger Pflanzen wie Chilis, Zitrusgewächse, Palmen sowie viele Kakteen sollten lieber in mineralischen Anzuchterden bzw. in Erden mit hohem mineralischem Anteil gezogen werden. Der Grund ist, dass diese Pflanzen meist in trockeneren Gebieten zu Hause sind und somit Erden benötigen, bei denen Wasser schnell abfließen kann. Außerdem benötigen die Wurzeln viel Sauerstoff, wodurch eine gute Belüftung immens wichtig ist. Normale Substrate sind oft zu fein und erhöhen das Risiko, dass die feinen Wurzelhaare verfaulen und die Pflanzen folglich eingehen.

Verwendung von Anzuchterde

Anzuchterden haben den Zweck, die Entwicklung der jungen Keimlinge bestmöglich zu gewährleisten. Grundsätzlich kann man nicht viel verkehrt machen. Die Erde sollte locker in das Pflanzgefäß eingefüllt werden, ohne eine zusätzliche Verdichtung. Nachdem Einfüllen können die Samen in die Erde gedrückt werden, wobei zu beachten ist, ob es sich um Licht- oder Dunkelkeimer handelt. Zu beachten ist außerdem, dass das Saatgut auch ein geeignetes Pflanzegefäß benötigt wird. Größeres Saatgut sollte eher in tiefere Töpfchen ausgestreut werden, kleines Saatgut eher in flache Pflanzschalen.

Anzuchterde selber machen - Rezepte vorgestellt

Aussaaterden lassen sich relativ einfach selbst herstellen. Die meisten Zutaten lassen sich recht einfach beschaffen.


Anzuchterde selber mischen

Organische Anzuchterde

Organische Anzuchterden werden häufig für Vorkulturen benötigt. Sie sind nährstoffarm und locker. Die jungen Pflänzchen müssen sich anschließend einfach aus der Erde hebeln lassen, um sie vorsichtig in das Beet oder einen größeren Blumentopf umzupflanzen.

Für eine gute Anzuchterde können die folgenden Zutaten verwendet werden:

  • 15 % Kompost
  • 40 % Gartenerde
  • 40 % Sand (z.B. Quarzsand, Lavasand, Bimssand)
  • 5 % Gesteinsmehl

Bei der Verwendung eigener Gartensubstrate wie Kompost oder Erde sollten Sie sicherstellen, dass diese keine Pflanzenkrankheiten wie Rost weiterverbreiten. Der verwendete Kompost sollte ordentlich durchgesiebt sein und vor allem reif, d.h. dass die Rotte richtig einsetzen konnte. Um sicherzugehen, können Sie Kompost und Gartenerde auch im Backofen bei etwa 120 ° - 180 °C sterilisieren.

Mineralische Anzuchterde

Viele Pflanzen können auch in einem mineralischem Substrat aufgezogen werden. Hierzu zählen viele exotische Pflanzen, aber auch viele heimische Gewächse. Beispielsweise können viele Nachtschattengewächse wie Chili, Mais, Bohnen, Sonnenblumen oder viele Sukkulenten in einer mineralischen Anzuchterde sehr gute Ergebnisse erzielen.

Die Rezeptur für eine gute mineralische Anzuchterde besteht aus lediglich drei Zuschlagstoffen:

  • Vermiculit
  • Perlite
  • Gesteinsmehl

Der Vorteil mineralischer Aussaaterden ist, dass sie keimfrei und frei von Salzen sind. Die Körnung sollte eher klein sein, so dass die feinen Wurzeln auch in der Erde Halt finden können.

Was sie auf keinen Fall machen sollten, ist die Anzuchterde einfach in den Müll zu werfen. Die einzelnen Zuschlagstoffe verbessern die Bodenqualität vieler Böden indem sie Wasser und Nährstoffe speichern und die Bodenbelüftung verbessern.


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